Character im Porträt

Nico Hofmann

Der Filmproduzent
über Kreativität, Stress
und seine weibliche Seite

Vor einem Altbau in Berlin-Charlottenburg stoppt eine Limousine. Im Fond sitzt Nico Hofmann, der vielfach ausgezeichnete Regisseur, Filmproduzent, Gründer der Filmproduktionsfirma teamWorx und Erfinder der Eventmovies wie „Der Tunnel“, „Die Flucht“, „Der Turm“ oder „Unsere Mütter, unsere Väter“. Er ist auf die Minute pünktlich, gut gelaunt, aber in Eile. Wie immer. Time is money.

Im Laufschritt geht es in seine Dachgeschosswohnung, die nicht nur auf den ersten Blick unbewohnt wirkt. Sie ist es. Nicht ein Staubkorn weit und breit. Nico Hofmann fröhlich, aber irgendwie auch ein klein bisschen schuldbewusst: „Ich lebe vielleicht 30 Tage im Jahr hier. Die restliche Zeit verbringe ich meist in Flugzeugen, Hotelzimmern und bei Besprechungen. Meine Putzfrau hat mich erst neulich wieder gefragt, warum sie hier so oft saubermachen muss.“

Herr Hofmann, wo ist Ihr Zuhause?

Zuhause ist da, wo ich mich wirklich wohlfühle. Das ist meine Berliner Stadtwohnung, aber auch meine Dependance am Wannsee, in der ich momentan etwas öfter bin, seit die UFA ihren Firmensitz von Berlin nach Potsdam-Babelsberg verlegt hat. Aber ich gebe zu, dass ich die meiste Zeit in Flugzeugen und Hotelzimmern lebe. Für manche Menschen ist das eine bizarre Vorstellung, aber es ist so. Um wenigstens eine einigermaßen vertraute Umgebung zu haben, buche ich in den Hotels der Städte, in denen ich dauernd bin, immer das gleiche Zimmer. In Hamburg ist es die Nummer 664 im Park Hyatt, in München die 2001 im Westin Grand, in Mainz die 501 im Hyatt Regency und in L.A. die 535 im Beverly Hilton.

Welche Bedeutung hat Ihr Zuhause für Sie?

Es hat für mich mit Geborgenheit zu tun, mit einem Ort innerer Freiheit, der auch Inspiration zulässt. Und das kann ab und zu auch schon mal ein Transatlantikflug sein. In den letzten Jahren ist allerdings meine Wohnung am Wannsee zu einem Sehnsuchtsort geworden. Von meinem Schlafzimmerfenster aus sehe ich den Yachthafen. Ich wollte die Wohnung vor drei Jahren verkaufen und bin froh, dass ich das nicht getan habe.

Aus welchem Grund?

Weil die Natur, die Ruhe dort für mich mit zunehmendem Alter immer mehr an Bedeutung gewinnt. Ich habe gerade den Bootsführerschein gemacht und verbringe, sooft es geht, viele Stunden auf meinem Boot. Meine Vision ist es, auf meiner 12 Meter langen Bavaria-Sportyacht drei Tage lang allein über die Müritz zu fahren, um mich von allem komplett zu entfernen. Mir tut Wasser einfach gut. Die Liebe dazu habe ich von meinem Großvater mütterlicherseits geerbt, der Chefangler etlicher Angelvereine war.

Sie stammen aus einer Mannheimer Journalistenfamilie. Ihr Vater schrieb für die Rheinpfalz und Reden für Willy Brandt. Ihre Mutter war Wirtschaftsredakteurin bei der „FAZ“. Als Sie 13 waren, ließen sich Ihre Eltern scheiden. Wie tief hat Sie das getroffen?

Tief, weil meine Gefühle natürlich verletzt wurden. Die nächste große Herausforderung nach der Scheidung war meine emanzipatorische, alleinerziehende Mutter mit einem entsprechenden Erziehungsstil. Bevor Simone, meine jüngere Schwester, die Küche putzen musste, durfte ich das tun. Ich kann mir das heute nur damit erklären, dass sich meine Mutter als damals einzige Frau in der Männerdomäne Wirtschaftsredaktion emanzipieren musste und dies auch bei der Erziehung ihrer beiden Kinder für notwendig hielt. Bei uns zu Hause stand die Emanzipation über allem.

Oma, Mutter, Schwester. Männliche Wesen um mich herum gab es nicht.

Ein Nachteil?

Im Gegenteil. Ich kann überhaupt nicht mit Frauen arbeiten, die nicht emanzipiert sind. Emanzipation reizt mich nicht nur, ich will die Gleichberechtigung auch. Wenn ich das Gefühl habe, eine Frau biedert sich an, ist nicht emanzipiert, habe ich kein Interesse. Ich brauche solche weiblichen Gegenparts wie meine Assistentin Anke Westedt oder unsere Juristin Susanne Bergmann. Ich habe auch teamWorx mit drei starken Frauen gegründet:
Mit Ariane Krampe und Doris Zander, die heute erfolgreich als selbstständige Produzentinnen unterwegs sind, und mit Bettina Reitz, die jetzt Präsidentin der Hochschule für Fernsehen und Film in München ist. Bei der UFA arbeite ich daran, dass wir ein noch ausgewogeneres Männer-Frauen-Verhältnis bekommen.

Salonlöwe: Der designierte CEO der UFA in seinem Wohnzimmer. Das Bild hinter ihm ist ebenfalls von Bettina Schünemann, die farblich passenden Vasen sind aus Murano Glas. Der alte Sessel von Walter Knoll ist seit Ewigkeiten in seinem Besitz.

Nico Hofmann 1

Am Empfang von Ex-Bundespräsident Christian Wulff und seiner Frau Bettina nahm er am 12. Februar 2012 teil. Am 17. Februar 2012 trat Wulff zurück.

Haben Sie eine weibliche Seite?

Sogar ganz massiv. Ich gucke jeden Film weiblich. Immer. Das liegt einerseits daran, dass die Mehrzahl meiner Zuschauer Frauen sind, andererseits, dass ich in einem Frauenhaushalt aufgewachsen bin: Oma, Mutter, Schwester. Männliche Wesen um mich herum gab es nicht. Meine Großväter waren tot, mein Vater weg. Dadurch ist in meiner Jugend mein tiefes Verständnis für Frauen entstanden.

Wie ist das Verhältnis zu Ihrer Mutter heute?

Meine Mutter ist 85 und noch mehr unterwegs als ich. Das muss man erst mal hinkriegen. Sie ist kulturell unheimlich gebildet, immer noch eine ausgesprochen kommunikative Frau mit einer enorm hohen Durchsetzungskraft und einem sehr starken Ehrgeiz. Sie ist die Patin von Mannheim. Meine Mutter hat nicht nur zwei Mal aktiv im Bürgermeisterwahlkampf mitgewirkt, den der Mann auch jedes Mal gewann, sie ist nach wie vor auch unglaublich gut mit Wirtschaftsgrößen verzahnt. An unserem Wohnzimmertisch wurde schon der eine oder andere interessante Deal geschlossen. Wenn man meiner Mutter gegenübersitzt und mit ihr spricht, denkt man, sie ist 30 Jahre jünger.

Partizipiert sie an Ihrem Erfolg als Produzent?

Nein, sie ist autonom. Ich habe eher von ihren guten Beziehungen profitiert und in ihrem riesigen Bekanntenkreis gute Kontakte knüpfen können. Aber ich denke, sie ist stolz auf mich.

Fragen Sie sie gelegentlich nach ihrer Meinung?

Ich frage sie massiv danach. Bei der Weichenstellung in Bezug auf den Chefposten bei der UFA war das für mich ganz wichtig, weil es dabei um meine letzten entscheidenden zehn Berufsjahre ging. Es gab ja auch noch die Idee der Selbstständigkeit mit meinem Kollegen Jan Mojto in dessen Familienunternehmen.

VON DER GARAGE IN DEN OLYMP DER DEUTSCHEN FILMWIRTSCHAFT

Nico Hofmann, der zu den erfolgreichsten Filmschaffenden Deutschlands gehört, wird 1959 in Heidelberg geboren. Mit zwölf entdeckt er seine Leidenschaft für den Film, dreht mit einer Super-8-Kamera die Lesebuchgeschichte „Kapitän Frisell operiert“ und zeigt ihn in der Garage seiner Eltern. Der Eintritt kostet 10 Pfennig. Nach dem Abschluss an der Münchner Filmhochschule wird er 1983 Regisseur, feiert Erfolge mit „Der Sandmann“ oder „Solo für Klarinette“. 1998 wechselt er ins Produzentenfach, erreicht mit „Tanz mit dem Teufel – die Entführung des Richard Oetker“, „Mogadischu“, „Der Fall Jakob von Metzler“ oder „Der Medicus“ Millionen Menschen. Auszeichnungen wie der „Adolf Grimme Preis“, „Bambi“, der „Deutsche Filmpreis“, „Die Goldene Kamera“ oder der Internationale „Emmy Award“ krönen sein Werk. Seit 1995 lehrt er als Professor den Fachbereich „Szenischer Film“ an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Seit dem 1. September 2015 ist er Co-CEO der UFA, im September 2017 übernimmt er die alleinige Leitung. Nico Hofmann lebt in Berlin.

Welchen Rat gab Ihnen Ihre Mutter?

Sie hat gesagt: Du musst dahin gehen, wo dein Herz schlägt. Am Ende war die Entscheidung klar: Ich bleibe da, wo ich mich immer wohlgefühlt habe – bei Bertelsmann und der UFA. Dort habe ich, ohne dass es eitel klingt, alles erreicht, was ich in meinem Berufsfeld erreichen kann. Bis auf den „Oscar“ vielleicht …

Was ist das Wichtigste, das Sie von ihr mit auf den Lebensweg bekommen haben?

Absolute Integrität gegenüber Freunden und Menschen, mit denen man arbeitet.

Keine Kreativität?

Kreativität kann man nicht erben und auch nicht lernen. Kreativität hat man oder man hat sie nicht. Aber man kann Menschen, die kreativ sind, auf ihrem Weg, noch kreativer zu werden, begleiten. Das tue ich als Professor für den Fachbereich „Szenischer Film“ an der Filmakademie in Ludwigsburg in Baden-Württemberg.

Sind Frauen kreativer als Männer?

Die guten Männer haben einen sehr starken weiblichen Anteil, gute Frauen haben einen sehr starken männlichen Anteil. Als Produzent muss man eine sehr starke weibliche Seite haben – geschmacklich und in der Sensibilität. Sonst funktioniert es nicht.

Seltener Auftritt: Nico Hofmann eilt in seine Dachgeschosswohnung. Unter dem Arm klemmt die Bild, die er täglich liest. Über der Schulter hängt eine Umhängetasche mit Papieren, an der Wand ein Gemälde der Künstlerin Bettina Schünemann. Eine Stunde später ist er wieder weg.

Nico Hofmann 2

Hofmann am Schreibtisch: auch hier kein kreatives Chaos. Er liest im Pressespiegel der Nibelungen-Festspiele Worms, deren Intendanz er 2015 von Dieter Wedel übernahm.

Was ist das Schöne am Produzentendasein?

Die Begegnung mit Menschen. Ich persönlich habe immer wieder Begegnungsmöglichkeiten, die andere vielleicht nicht haben. Im September dieses Jahres war ich bei Siegfried und Roy in Las Vegas, bin mit Siegfried im Golfwagen durch sein „Little Bavaria“ gefahren und habe anschließend mit ihm bei 40 Grad Außentemperatur in einem Leopardenkäfig Champagner getrunken. Das sind Momente, die man im Leben nicht allzu oft hat.

Im September 2017 scheidet Ihr Vorgänger und jetziger Co-CEO Wolf Bauer aus der Spitze der UFA-Gruppe aus. Sie führen das Unternehmen von da an allein. Gibt es eine Vision für Ihre zukünftige Aufgabe?

Ich möchte noch zwei, drei Produktionen im Jahr selber machen. Mehr geht nicht. Als ich neben der UFA-Fiction noch die UFA-Cinema mitgeführt habe, habe ich gelernt: Man kann nicht zwei Firmen mit der gleichen Intensität leiten. Dafür ist die UFA als europäischer Marktführer auch zu wichtig. Deshalb ziehe ich mich am 1. Januar 2016 aus der Geschäftsführung der UFA-Fiction zurück.

Wolf Bauer brauchte sich um die fiktionalen Produktionen kaum Sorgen zu machen. Er hatte Sie. Ihr Gespür für erfolgreiche Filmstoffe, neue talentierte Schauspieler oder Ihr Verkaufstalent gelten in der Branche als Rarität. Wer füllt die Lücke?

Ich habe eine starke Vision von einem Kreativteam um mich herum und den Ehrgeiz, das große Schiff UFA noch erfolgreicher zu machen. Dass sich meine Tätigkeit als CEO ausschließlich auf eine höhere Verwaltungstätigkeit beschränkt, könnte ich mir auch nicht vorstellen.

Verraten Sie uns, wie Sie den Erfolg der UFA-Gruppe steigern wollen?

Da gibt es nur die Maßgabe der qualitativen Exzellenz. Das ganze Team muss nicht nur den Ehrgeiz haben, am Zeitgeist dranzubleiben, wir müssen auch mit größtmöglichem Einsatz dafür sorgen, dass die beste Qualität, die besten Programme aus unserem Haus kommen. Das gilt für die Fiction ebenso wie für den Showbereich, die Soaps, die Serials oder die Kinoformate.

Kreativität kann man nicht erben und auch nicht lernen. Kreativität hat man oder man hat sie nicht.

Sie werden in Zukunft noch weniger Freizeit haben. Das Gute daran könnte sein, dass Sie keine eigene Familie haben. Haben Sie dieses Lebensmodell je vermisst?

Nein, weil ich überzeugter Einzelgänger bin.

Was fasziniert Sie daran?

Die Unabhängigkeit, die man hat. Die geht jedoch nur, wenn man einen stabilen und verlässlichen Familien- und Freundeskreis hat. Dazu gehören natürlich meine Mutter, mein Vater und meine Schwester mit ihrer Familie, aber auch meine Assistentin Anke Westedt, Marc Eiselt, der mich seit Jahren fährt, weil ich keinen Führerschein habe, oder Maria Furtwängler. Alles Menschen, die mich dermaßen gut kennen und denen ich komplett so vertraue, dass ich mich völlig fallen lassen kann.

Gelingen in so einem stressigen Berufsleben noch längere Pausen wie Urlaube?

Diese Pausen nehme ich mir. Früher war ich viel auf Bali und auf Mauritius, heute bevorzuge ich Dubai und dort das Park Hyatt, weil mir deren Fitnessprogramm sehr zusagt. Meine größte Entdeckung in letzter Zeit ist jedoch die Villa Stefanie im Brenners Park Hotel in Baden-Baden. Dort hat man sich komplett auf den Medical Spa fixiert. Die Güteklasse liegt mittlerweile auf internationalem Top-Niveau. Ich war dieses Jahr bereits dreimal zehn Tage dort und muss sagen: Der Erholungseffekt war genial. Ich durchlaufe jedes Mal das komplette Ernährungsprogramm Detox, mache Yoga, Pilates und absolviere mit einem Trainer ein Thai-Kickbox-Programm. Pilates mache ich übrigens jeden Morgen, egal wo. Zu Hause kommt ein leichtes Lauftraining auf dem Laufband dazu.

Wenn Sie in der Villa Stefanie sind, bleibt dann das Telefon stumm?

Ich habe das schon hinbekommen, weil ich besser abschalten kann als früher und die Erfahrung gemacht habe, dass sich viele Dinge von allein erledigen.

Können Sie auch mal an nichts denken?

Höchstens auf meinem Boot am Wannsee. Da bin ich weg von der Welt in einer anderen
Beruhigung.

Sie sprechen meist schnell, man hat das Gefühl, dass Sie ständig unter Hochspannung stehen. Was treibt Sie an?

Die Lust und die Neugier auf Menschen, auf neue Stoffe, das ist Tag und Nacht meine Triebfeder.

Wenn Sie in den Spiegel schauen, welche Stärken erkennen Sie und welche Schwächen?

Meine größte Stärke ist sicher, dass ich Menschen auf eine Reise mitnehmen kann und dass ich sehr überzeugungsstark bin. Meine größte Schwäche ist meine Ungeduld, die ich langsam in den Griff bekomme. Früher war sie ganz schlimm. Alles musste gleich sein. Sofort. Vorgestern. Ungeduld ist ein großes Problem, da aus ihr eine Cholerik, ein falscher Tonfall, eine falsche Entscheidung entstehen kann. Je älter ich werde, desto mehr versuche ich emotional ruhiger zu werden, erstmal in Ruhe zuzuhören und nicht gleich aus der Haut zu fahren. Alles mit Bedacht zu tun, wird für mich immer wichtiger.

Aus falschen Entscheidungen können Niederlagen entstehen. Wie gehen Sie damit um?

Niederlagen sitzen bei mir extrem tief, weil ich sehr schmerzempfindsam bin. So etwas kann mich komplett weghauen, auch für Tage. Aber es gelingt mir am Ende meistens durch eine gnadenlose und selbstkritische Analyse zu verhindern, dass dasselbe noch mal passiert.

Lederjacken-Fan: Hofmann liebt das kurze Modell. Dazu trägt er gern akkurat gebügelte Hemden in Weiß- oder Blautönen. Die Bücher von Erich Fromm und Christa Wolf gehören zu seiner Lieblingslektüre.

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Dinner-Time: Nico Hofmann im „Il Calice“ in Berlin. Hier traf er Größen wie Hape Kerkeling, Sandra Maischberger oder Natalia Wörner. Das Prickelende daran: Der Produzent trinkt ausschließlich Champagner, weil er kein anderes alkoholisches Getränk verträgt.

Fürchten Sie Niederlagen?

Nein. Ich fürchte mich vor Ignoranz, Nichttalent und schlechten Filmen.

Für wie gefährlich halten Sie Erfolg?

Erfolg ist nur dann gefährlich, wenn er zu einer gewissen Selbstgenügsamkeit, zu einer gewissen Selbstbeweihräucherung verführt. Solange er anstachelt, eine Dynamik in einem freisetzt, ist er etwas, das einen weitertreibt, vorantreibt.

Sie sind extrem erfolgreich. Wie viel Egoist steckt in Ihnen?

In mir steckt ein ganz gehöriger Egoist, wobei in meiner Welt Egoismus auch bedeutet, eine gewisse Durchsetzungskraft, ganz klare Ziele zu haben. Einen gesunden Egoismus erwarte ich auch von meinen Mitarbeitern.

Mögen Sie sich?

Ja, ich mag mich. Nicht überall, aber ich finde, dass ich mein Berufsleben bis jetzt so hinbekommen habe, wie ich es mir vorgestellt habe. Manchmal auch mit dem Mut zu Risiken, von denen ich nicht wusste, wie sie ausgehen und ob sie mich beschädigen.

Sind Sie manchmal auch feige oder konfliktscheu?

Konfliktscheu ganz sicher gar nicht. Im Gegenteil. Feige bin ich im tiefsten Privatleben, also bei wirklich intimer körperlicher Nähe. Da gibt es auch Beziehungsängste. Wenn ich an dieser Stelle mutiger wäre, würde ich mein Privatleben ganz sicher anders leben.

Die Lust und die Neugier auf Menschen, auf neue Stoffe, das ist Tag und Nacht meine Triebfeder.

Liegt das möglicherweise daran, dass Sie glauben, man könnte Sie wegen Ihres Erfolges mehr lieben anstatt um Ihrer selbst willen?

Keine Sorge, ich kann sehr genau unterscheiden, wer an mir als Person interessiert ist und wer nicht. Auf meine Menschenkenntnis kann ich mich verlassen.

Auf Ihr Bauchgefühl auch?

Unbedingt, und auf meinen Instinkt. Beides kann ich aber nicht erklären.

Sie haben täglich mit Stars zu tun. Viele von ihnen sind kapriziös, haben Allüren. Wie viel Diva steckt in Nico Hofmann?

Ich habe gelernt, meine Wirkung, auch die mediale, ganz klar einzusetzen. Auch strategisch. Das gebe ich gern zu. Aber eine Diva bin ich nicht.

Was war das Verrückteste, das Sie sich bis jetzt in Ihrem Leben geleistet haben?

In der Umbruchsphase vom Regisseur zum Produzenten habe ich in Wiesbaden mit Hannelore Elsner die Anwaltsserie „Alles Paletti“ gedreht. In einer Nacht war ich so unglücklich, dass ich mit ihr die komplette Minibar leer getrunken habe. Danach war ich so betrunken, dass ich über ihrer Suite im obersten Stock des Hotels auf dem Dachfirst saß und mich fünf Leute von dort entfernen mussten. Diese Nacht werde ich nie vergessen. Auch weil sie wirklich lebensgefährlich war.

Spaziergang: von zu Hause zum Termin beim Italiener in der Nähe. Dazu gehört stets ein kurzer Stopp vor der „Filmkunst 66“, dem Kino von Hofmanns Kolleginnen Regina und Tanja Ziegler.

Interview: Dona Kujacinski Fotos: Marc Krause Ausgabe: Character 8

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