Character im Porträt

Roman Niewodniczanski

Bitburger-Erbe wird
Saar-Winzer

Der Hausherr, als „Winzer des Jahres 2012“ preisgekrönt, empfängt Besucher im Herrenzimmer von Van Volxem.

Das ehemals berühmte Weingut war in Schwierigkeiten geraten. Doch Roman Niewodniczanski erwarb es vor 14 Jahren, modernisierte es mit viel Liebe und Leidenschaft und kaufte vielen Hundert Winzern in der umliegenden Saar-Gegend ihre brachliegenden Steillagen ab. Er will wieder an die großen Zeiten zu Anfang des 20. Jahrhunderts anknüpfen, als die Weine aus der Region zu den begehrtesten der Welt zählten.

Herr Niewodniczanski, nach Verkostung Ihrer Weine kommt einem der seinerzeitige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in den Sinn. Hatte er aus Ihrer Sicht damals, Ende 2012, zumindest in einem nicht Recht? Pinot Grigio!

Er hat gesagt, er würde keine Flasche Pinot Grigio kaufen, die „nur“ fünf Euro koste. Na ja, ich schätze Steinbrücks etwas bissige Art, aber in diesem Fall hat er sich eher ungeschickt verhalten. Fakt ist nämlich, dass der Durchschnittspreis einer in Deutschland verkauften Flasche Wein unter zwei Euro liegt. Dabei sind jedoch viele zu Discountpreisen angebotene Weine heute, zumindest technisch gesehen, deutlich besser als früher. Sie sind handwerklich in Ordnung. Auch ich habe als Student so angefangen, Wein zu entdecken. Wenn ich aber zwei Jahrzehnte Weinerfahrung später diese Weine erneut verkosten soll, dann verzichte ich lieber und steige auf ein gutes Pils oder Mineralwasser um.

Spiegeln sich die Güte und Qualität eines Weins also nicht unbedingt im Preis?

Bis zu einem gewissen Grad schon. Einen naturnah erzeugten, möglichst bekömmlichen wie auch aromatisch ansprechenden Wein zu einem Preis von unter fünf Euro anzubieten, ist eigentlich kaum möglich. Wer überdies einen handwerklich erzeugten Wein genießen möchte, der auch noch den Charakter einer bestimmten Herkunft, Bodenformation und weinbaulichen Tradition widerspiegelt, der ein Erlebnis darstellt, wird meiner Überzeugung nach eher einen Betrag von mindestens zehn Euro anlegen müssen. Trotz der extrem hohen Kosten der Handarbeit vieler extrem fleißiger Mitarbeiter in unseren Schiefersteillagen bemühen wir uns auf  Van Volxem, auch in unserer ‚Einstiegsklasse‘ von gut zehn Euro einen hervorragenden Gutswein anzubieten. Ich messe die Güte eines Weinguts immer auch an der Qualität seiner Einstiegsklasse.

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Ihr Nachbar Egon Müller nimmt aber schon mal dreistellige Euro-Beträge für die Flasche. Gibt es überhaupt objektivierbare Kriterien für die Qualität eines Weines?

Wer daran zweifelt, ist herzlich eingeladen, Van Volxem einmal in der Zeit der Lese zu besuchen. Wenn wie bei uns 60 Erntehelfer wie Gebirgsgämsen die Steillagen entlang klettern und von Hand sorgfältig in mehreren Durchgängen einzelne Rosinen aus den Reben picken, dann wird auch dem Flachlandbewohner klar, dass Steillagenweinbau äußerst kostspielig ist. Ob teure Weine unbedingt einen größeren Genuss vermitteln als günstigere, ist letztlich subjektiv. Genauso subjektiv wie das Ablesen der Uhrzeit von einer Schweizer Uhr.
Ein solch mechanisches Meisterwerk ist ein ‚Zeitablese-Erlebnis‘ der besonderen Art.
Und ein ebensolches Erlebnis bietet ein großer Wein.

Die Grundlage großer Rieslinge: Der Schieferboden ist reich an Mineralien und entstand über Millionen von Jahren aus Meeresablagerungen.

Sie wollen anknüpfen an die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts, da Saarweine als die teuersten der Welt gehandelt wurden. Solche Aussichten müssten doch den studierten Betriebswirt Roman Niewodniczanski begeistern.

Da ich eine Vielzahl an Originaldokumenten historischer Preislisten und Getränkekarten besitze, bereitet es mir immer wieder größte Freude, Sommeliers in New York, Peking oder Singapur entsprechende Preisvergleiche eines Petrus, Lafite, Cheval Blanc oder Montrachet gegenüber einem hiesigen Scharzhofberger oder Wiltinger Kupp vorzustellen. Insbesondere im Ausland weckt dies zunächst einmal Neugierde und Interesse für unsere Arbeit. Preislich sind wir von der damaligen Situation ebenso Lichtjahre entfernt wie von den Weinpreisen vieler unserer geschätzten Kollegen in Frankreich. Aber der qualitätsbewusste Weinfreund wird in keinem Land der Welt heute ein besseres Preis-Genuss-Verhältnis finden als in Deutschland und ganz besonders bei Rieslingweinen von Mosel und Saar.

Wie entstand überhaupt Ihre Liebe zum Wein?

Ich hatte mit Theobald Simon nicht nur einen Großvater, der ein brillanter Firmenchef war – er hat immerhin die Grundlagen für den heutigen Wohlstand meiner Familie geschaffen.
Er war auch ein unglaublich kultivierter Mann. Er war Brauer, Intellektueller, Sammler und Mäzen. An großen Feiertagen trank er Moselwein – in einer Zeit, in der Moselweine ihr großes Renommee bereits verloren hatten. Das hat mich als Kind sehr geprägt. Seinen Gesichtsausdruck, als er von diesem Wein trank, ja, den habe ich bis heute vor Augen. Dass die Mosel in den Zeiten meiner Jugend ein eher katastrophales Ansehen hatte, hat meine Neugierde dann nur noch mehr geweckt. Und mein Studium historischer Dokumente über diese kulturell wie landschaftlich so außerordentlich reiche Region mündete dann schließlich in Begeisterung. Interessante Weine sind immer auch Spiegelbilder einer Kulturlandschaft, einer bestimmten Zeit und letztlich auch Ausdruck einer bestimmten Winzerpersönlichkeit. Das alles fasziniert mich an Wein und bereichert mein Leben täglich aufs Neue

ALS WINZER, DER ÜBERAUS EHRGEIZIG IST, MÖCHTE ICH EINEN DER BESTEN WEINE DER WELT ERZEUGEN.

Auch andere Winzer …
… haben schöne Weine

Selbstverständlich ist Roman Niewodniczanski von der hohen Qualität „seiner“ Weine überzeugt. Aber natürlich wäre er auch nicht jener souveräne saarländische Winzer, der er ist, würde er behaupten, dass ihm nie ein anderer Rebensaft oder gar Riesling ins Weinglas käme. So wie andere Mütter bekanntlich auch schöne Töchter haben, so produzieren andere Winzer eben auch sehr gute Weine.

Wir haben Roman Niewodniczanski gebeten, uns zu verraten, welche Weine ihm ganz persönlich die liebsten sind. Die Ruhe für folgende, kleine Empfehlungsliste fand der umtriebige Winzer übrigens in der Lounge des Münchener Flughafens auf dem Weg nach Stockholm. Dort, in Schweden, sollte Niewodniczanski die besten Stockholmer Sommeliers in die Geheimnisse großer Rieslinge der Saar einführen. Natürlich vergaß er dabei nicht, die wunderbaren Erzeugnisse seines Weinguts Van Volxem zu empfehlen.

Hier nun macht er aber fünf Mal eine Ausnahme:

Wittmann Riesling, trocken 2015

„Für mich ist Philipp Wittmann zur Zeit der unangefochtene Großmeister des biologischen Weinbaus in Deutschland. Er erzeugt in den Hügeln Rheinhessens einen der meiner Meinung nach besten deutschen Gutsrieslinge. Meine Hochachtung, zu diesem Preis solche Qualität ins Glas zu bringen! Viel Bukett für kleines Budget.“

(ca. € 10,90 ab Weingut)

Markus Molitor, 2011 Zeltinger Auslese Sonnenuhr, zwei Sterne feinherb

„Ich kenne kaum einen Winzer in Deutschland, der so qualitätsbesessen arbeitet wie Markus Molitor. Die strenge Selektion und Handarbeit die auf seinem Weingut traditionell gepflegt wird, schmeckt man gerade diesem perfekt gereiften Riesling von einer der besten Spitzenlagen der Mittelmosel – für mich der beste feinherbe Riesling der Welt!“

(ca. € 34,00)

Château Pauqué, Pinot Gris „Paradais“

„Meiner Meinung und meinem Geschmack nach ist Abi Duhr der wahrscheinlich beste Winzer Luxemburgs. In den mageren Kalksteinhängen der Gemeinde Grevenmacher erzeugt er einen der ausdrucksstärksten Grauburgunder der gesamten Weinwelt: Pfirsichkern, Williams-Birne, Mirabelle, Aprikose und Quitte im Nachhall. Geht nicht besser!“

(ca. € 24,00)

St. Urbanshof, Riesling Kabinett 2015

„Der Winzer Nik Weis ist zweifellos der sympathische Tausendsassa der deutschen Weinszene. Von ihm stammt dieser außerordentliche, feinfruchtige Riesling der Extraklasse. In besten Schiefersteillagen der Saar gewachsen, bietet dieser herrliche, frische Wein eine kaum zu überbietende Trinkfreude – und das wohlgemerkt bei niedrigstem Alkoholgehalt!“

(ca. € 15,80)

Domaine Pegau, Châteauneuf-du-Pape 2012 „Cuvée Reservée”

„Die nur knapp 1,50 m große, ungemein quirlige Laurence Feraud erzeugt gemeinsam mit ihrem Vater Paul seit 1987 einen der für mich besten und größten Rotweine Südfrankreichs. Mit dem 2012er-Jahrgang ist Vater und Tochter wirklich ein großartiges, mit Preisen überschüttetes Châteauneuf-Monument von barock-urwüchsiger Gestalt gelungen: spektakuläre, expressive Aromen von Schwarzkirschen, wilden Kräutern der Provence, Trüffeln, Fleischsaft, schwarzem Pfeffer, Rauch und einer tiefen Mineralität. Einfach nur verführerisch! Prädikat: grandios!“

(ca. € 59,00)

Wie hat es Ihre Familie, die seit vier Generationen für die Bierbrauerei Bitburger Verantwortung trägt, aufgenommen, dass sich ihr jüngster Spross nun ausgerechnet dem Wein verschrieben hat?

Ich hatte mich schon früh für den Weinbau an der Mosel und ihren Nebentälern interessiert und engagiert. So hatte ich gemeinsam mit ein paar guten Freunden Mitte der 1990er Jahre das damals rasch erfolgreiche ‚Wein & Gourmetfestival MSR‘ auf ehrenamtlicher Basis initiiert, um der aus meiner Sicht so reichen Wein- und Kulturlandschaft und ihren Erzeugern auf die Beine zu helfen. Das hat meine Familie schon mal kritisch gesehen. Als ich dann das Weingut Van Volxem kaufte, erntete ich auch Spott, der sich inzwischen aber gelegt hat. Meine Großmutter war damals übrigens die Einzige in der ganzen Familie, die mich rückhaltlos unterstützt und ermutigt hat. Letztlich bin ich meiner Familie aber unendlich dankbar, dass sie es mir ermöglicht hat, mir mit dem Kauf von Van Volxem meinen Lebenstraum zu verwirklichen.

In welchem Zustand haben Sie das Weingut um die Jahrtausendwende übernommen?

Es war schon ziemlich heruntergekommen, teilweise haben wir Ruinen vorgefunden. Vier Generationen lang war das Gut von der Familie Van Volxem bewirtschaftet worden – die übrigens einer belgischen Brauereidynastie entstammt. Damit schließt sich mit mir wieder der Bier-Kreis.

Glorreiche Vergangenheit: Roman Niewodniczanski besitzt viele historische Dokumente etwa aus der Kaiserzeit, die von dem einstigen hohen Ansehen der Saarweine zeugen.

Dem Vernehmen nach haben Sie einen mittleren Millionenbetrag investiert. Hat sich das für Sie schon ausgezahlt?

In finanzieller Hinsicht freut es mich, dass das Weingut nach den enormen Investitionen der Anfangsjahre inzwischen wirtschaftlich auf soliden Beinen steht. Wir sind schon jetzt in der Lage, vom Weingut leben zu können. Aber die finanzielle Rendite stand für mich nie im Vordergrund meines unternehmerischen Engagements.

Sondern vielmehr was?

Langfristigkeit und generationenübergreifende Nachhaltigkeit. Wie jede Krise bot mir auch die Krise des Mosel-Saar-Ruwer-Anbaugebiets die Gelegenheit, in einer bestehenden Branche neu erfolgreich sein zu können. Ich habe als Student auch etwas gezockt mit Derivaten und anderen Finanzprodukten, aber dabei habe ich gelernt, dass es sich viel mehr lohnt, in echte Werte langfristig zu investieren und dabei preußische Tugenden an den Tag zu legen. Viele Altersgenossen meiner Generation sind auf kurzfristige Gewinnerzielung ausgerichtet und haben den Blick auf die Schaffung nichtmonetärer, echter Werte verloren.

Nun lehrte ja gerade die letzte Finanzkrise viele Anleger, wieder in reale Werte wie Boden und Rohstoffe zu investieren.

Davor kann ich nur alle warnen, die nicht ganz persönlich für Landwirtschaft oder Weinbau brennen. Es braucht fundiertes Wissen und großes persönliches Engagement, um langfristig erfolgreich sein zu können.

DANK DER SEIT EINIGEN JAHREN TOLLEN NACHFRAGE MÜSSEN WIR UNS KAUM UM DEN VERKAUF KÜMMERN UND KÖNNEN ENTSCHEIDEN, WELCHER WEIN-FACHHÄNDLER WELCHE ANZAHL AN FLASCHEN ERHÄLT.

Wie viele Flaschen Wein produziert Van Volxem inzwischen pro Jahr und wie organisieren Sie Marketing und Vertrieb?

Die auf Van Volxem erzeugte Anzahl Flaschen schwankt schon klimatisch bedingt recht stark,
es sind zwischen 250.000 und 350.000 Flaschen pro Jahr. Im Durchschnitt ist dies etwas weniger als eine Flasche je Rebe, was dem Niveau französischer Grand Crus entspricht. Dank der seit einigen Jahren tollen Nachfrage müssen wir uns kaum um den Verkauf kümmern und können entscheiden, welcher Weinfachhändler welche Anzahl Flaschen erhält. Webshop, Vertriebsagenturen oder Verkaufsmitarbeiter haben und wollen wir nicht. Schwerpunktmäßig beliefern wir die ambitionierte Gastronomie im In- und Ausland, aber wir verscheuchen auch keinen privaten Weinliebhaber, der nach vorheriger Terminvereinbarung an der Tür des Weinguts klingelt.

VOM BIER ZUM WEIN

Roman Niewodniczanski, 45, ist der Ururenkel des Gründers Johann Peter Wallenborn, der 1817 die Bitburger-Brauerei in der Eifel gründete. Sein Vater Thomas Niewodniczanski war lange Jahre Geschäftsführer der Brauerei, heute haben Roman Niewodniczanskis ältere Brüder Jan und Matthäus zwei der vier Bitburger Vorstandsposten inne. Manchmal schon hat sich der Neu-Winzer aus der Bitburger-Dynastie als „schwarzes Schaf“ der Familie bezeichnet, weil er eher dem Wein als dem familientraditionellen Bier zugeneigt war. Er studierte Betriebswirtschaft und Wirtschaftsgeografie, war einige Jahre in der Unternehmensberatung tätig – und fällte dann die Entscheidung seines Lebens: Er ließ sich zum Winzer ausbilden, bereiste Weingüter von Südafrika und Kalifornien bis nach Neuseeland – immer auf der Suche nach dem passenden Weingut. In Wiltingen an der Saar wurde er dann 1999 endlich fündig – und übernahm ein mittlerweile marodes Weingut, das 100 Jahre zuvor zu den besten der Welt gehörte. Dort will er auch wieder hin, der im positiven Sinne ehrgeizige, für seine Mission „brennende“ Winzer aus der Bierbrauer-Dynastie.

Viele deutsche Winzer beklagen, dass sich heute kaum noch einheimische Beschäftigte für die Arbeit an den Reben gewinnen ließen. Wie und woher rekrutieren Sie Ihre bis zu 55 Arbeiter?

Das ist schwer, wir haben einen dramatischen Fachkräftemangel in der Branche. Hochmotivierte Mitarbeiter, die hoffentlich auch unternehmerisch denken, sind wie bei so vielen anderen Unternehmen auch unsere Achillesferse. Ich habe hier ein sehr gutes Team beisammen, aber das ist ein hartes Stück Arbeit gewesen. Nur wer seine wie bei uns bienenfleißigen und qualitätsbegeisterten Mitarbeiter gut behandelt, fair bezahlt und ihnen erklärt, warum und wieso welche Arbeiten welche Konsequenzen haben, wird letztlich auch seine unternehmerischen Ziele erreichen. Schwerpunktmäßig kommen unsere überwiegend fest angestellten Kräfte aus Osteuropa.

Zu Ihrem Erfolg trägt ja auch Ihr Kellermeister Dominik Völk bei. Wie kamen Sie auf ihn?

Ganz einfach durch eine Anzeige: „Aufstrebendes Moselgut sucht qualitätsbesessenen Kellermeister.“ Dominik kommt aus Würzburg und hat als eines von neun Winzerkindern schon mit 16 gelernt, den väterlichen Betrieb zu leiten. Er war damals – vor elf Jahren – 20, als er zu uns kam. Und er ist derjenige, der mir hilft, mich nicht zu ruinieren. Weil ich gerne sehr schnell und emotional handle.

INTERESSANTE WEINE SIND IMMER AUCH SPIEGELBILDER EINER KULTURLANDSCHAFT, EINER BESTIMMTEN ZEIT UND LETZTLICH AUCH AUSDRUCK EINER BESTIMMTEN WINZER-PERSÖNLICHKEIT.

Wo sehen Sie sich, wo sehen Sie Van Volxem in zehn Jahren, in 20 Jahren?

Das Weingut Van Volxem ist immer noch ein Weingut i. G., also „in Gründung“, auch heute im 15. Jahr nach der Wiedergründung. Ich habe erst kürzlich wieder ein paar traumhafte Weinberg-Parzellen dazukaufen können, auf die ich mich freue wie ein kleines Kind. Wir sind also immer noch in diesem dynamischen Aufbauprozess begriffen. Da fällt es mir sehr schwer, zu sagen, wo wir in 20 Jahren stehen werden. Ich weiß, dass ich heute mit meinen fast 46 Jahren den Höhepunkt dessen erlebe, was ich erreichen kann. Als Winzer, der überaus ehrgeizig ist, möchte ich einen der besten Weine der Welt erzeugen. Auch wenn ich dieses Ziel nie erreichen könnte, es ist der Charme und das Ziel meines Berufs.

Es heißt, Sie hätten als passionierter Sammler großer Weine 12.000 Flaschen in Ihrem Keller versammelt. Wer soll die denn wann trinken?

Ich stamme aus einer Familie passionierter Sammler, und diese Leidenschaft ist sicherlich
auch Bestandteil meines Erbguts. Während ich bei allen anderen Dingen des täglichen Konsums recht sparsam bin, verlässt mich diese Sparsamkeit beim Anblick einer hundert Jahre alten Flasche leider. Die Folge ist ein gut sortierter Weinkeller, der mir aber ein sehr beruhigendes Gefühl gibt.

Einer Ihrer bekanntesten Mit-Weinbauern heißt Günther Jauch, der das Weingut von Othegraven gekauft hat. Kann man so ein Weingut eigentlich im Nebenerwerb betreiben?

Das ist schon toll, den renommiertesten Fernsehmoderator Deutschlands zum Nachbarn zu haben. Ich fühlte mich nicht zuletzt in meinem eigenen Entschluss bestätigt, als Günther Jauch
beschloss, auch ein Weingut an der Saar zu erwerben. Wir tauschen uns intensiv aus, wir haben ein sehr gutes, kollegiales Verhältnis, was eher unüblich ist in der Winzerbranche. Wir trinken immer mal wieder Wein zusammen, genießen die Abende und sprechen natürlich auch übers Winzergeschäft. Günther Jauch und seine Frau Thea engagieren sich sehr. Beide träumen nicht nur wie ich von einem erfolgreichen und starken Weingut, sondern gehen ganz bewusst auch die erforderlichen Schritte ein. Bewundernswert!

WÄHREND ICH BEI ALLEN ANDEREN DINGEN DES TÄGLICHEN KONSUMS RECHT SPARSAM BIN, VERLÄSST MICH DIESE SPARSAMKEIT BEIM ANBLICK EINER HUNDERT JAHRE ALTEN FLASCHE LEIDER.

Interview: Dagmar Deckstein Fotos: Marc Krause Ausgabe: Character 3

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