Digitale Welt

Zahlungsmethoden

Mobil und digital – Wie man Geld heute verschickt

Überweisungsträger ausfüllen und bei der Bankfiliale abgeben – früher ein ganz normaler Vorgang. Doch in Zeiten der Digitalisierung und der mobilen Endgeräte haben sich längst neue Wege etabliert, Geld von A nach B zu bewegen. Schnell und unkompliziert – per App.

HELLOSNAPCASH

„Das neue Geld ist da!“ So jubelte eine große Werbekampagne in den vergangenen Monaten von Plakatwänden, Kinoleinwänden und Buswartehäuschen. Dahinter steckte der Zahlungsanbieter Paypal, den die meisten Konsumenten bisher nur vom Onlineshopping kannten. Doch mit einer neuen Smartphone-App erlaubt die Firma seit Kurzem auch, Geld gebührenfrei an Freunde zu senden – vorausgesetzt, die haben ebenfalls ein Paypal-Konto.

Auch Apps wie „Cringle“ oder „PayFriendz“ ermöglichen es mittlerweile, Freunden auf unkomplizierte Weise Geld per App zu schicken. Das Ziel: nach dem Kinobesuch oder dem gemeinsamen Essen nicht nach getrennten Rechnungen verlangen oder diese mühsam aufsplitten – sondern einem Freund einfach erstatten, was er für einen ausgelegt hat. Und das so simpel wie das Verschicken einer SMS.

Die bei jungen Menschen extrem beliebte App Snapchat erlaubt (bislang allerdings nur in den USA) das sofortige Versenden von Geld: Wer seine Kreditkarte hinterlegt hat und in das Chatfeld, in dem sonst Nachrichten und Emojis versendet werden, einen Geldbetrag schreibt, kann per Knopfdruck bis zu 250 Dollar versenden.

In Deutschland ist die Sorge um Sicherheit und Datenschutz vergleichsweise hoch – noch immer zahlen die Deutschen beispielsweise rund die Hälfte aller Einkäufe in bar statt mit Karte. Auch wird sich zeigen müssen, ob kleine Anbieter wie PayFriendz – die voraussetzen, dass beide Seiten dieselbe Anwendung installiert haben – eine kritische Masse an Nutzern erreichen können.

In Schweden ist man diesbezüglich ein bisschen weiter: Dort haben sich bereits Ende 2012 die sieben großen Banken des Landes zusammengetan und „Swish“ entwickelt; eine App, über die sofort und kostenlos Geld per Smartphone versendet werden kann. Rund ein Drittel der Schweden benutzt die Anwendung inzwischen.

GOODBYEÜBERWEISUNG

Es ist noch nicht allzu lange her, da war der gängige Weg, Geld in die Ferne zu schicken, orange. Mit einem Kugelschreiber musste man einen orangefarbenen Überweisungsträger auf Papier ausfüllen und diesen am Bankschalter abgeben. Seit Einführung des Onlinebankings in der vergangenen Dekade dürfte zumindest der Kugelschreiber weitgehend unnötig geworden sein.

Doch spätestens, als 2014 die IBAN verpflichtend eingeführt wurde, geriet die gute alte Überweisung endgültig in Verruf. Zu umständlich! Zu viele Zahlen! Zu langsam! Gleichzeitig haben sich Smartphones flächendeckend durchgesetzt und mit ihnen neue Formen der Kommunikation und des Konsums. Statt seine E-Mail-Adresse herauszusuchen und einzutippen, wird ein Freund direkt im Facebook-Messenger angeschrieben. Statt ein Zugticket am Bahnhofsschalter zu kaufen, wird es direkt in der App gebucht.

Da wundert es nicht, wenn dieselbe Einfachheit und derselbe Komfort auch von finanziellen Transaktionen erwartet werden. Dazu kommt der Zeitfaktor: So wie es früher selbstverständlich war, dass ein Brief ein paar Tage unterwegs war, wartete man auch geduldig auf den Eingang einer Überweisung. In Zeiten, in denen Mails und andere digitale Nachrichten nur noch Sekundenbruchteile brauchen, um quer über den Globus zu flitzen, ist es keinem Bankkunden mehr vermittelbar, warum eine Überweisung oft immer noch mehrere Tage braucht.

Trotzdem: Geldtransfer per App ist vor allem ein Trend unter Privatpersonen. Im geschäftlichen Bereich wird es vermutlich noch erheblich länger dauern, bis die Überweisung durch etwas Neues ersetzt wird. Das sieht man auch daran, dass jedes Jahr immer noch rund 6 Milliarden Überweisungen – sei es privat oder geschäftlich – getätigt werden. Tendenz seit 2010 mehr oder minder unverändert.

Text: Christoph Koch Ausgabe: Character 10

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